Die kleine Farbgeschichte

Farben sind mehr als ein optischer Eindruck. Sie haben eine Wirkung auf uns, sie wecken Assoziationen, sie haben Bedeutungen.
Lesen Sie hier mehr zum Thema Farbtechnik und -psychologie.

GIFTGRÜN - diesen Ausdruck kennt jeder. Aber woher stammt diese Redewendung?
Über lange Zeit waren kräftige und farbintensive Grüntöne nur mit giftigen Pigmenten herzustellen. Zum Beispiel Chrom-, Cadmium-, oder Arsengrün. So waren grüne Farben, sowohl in der Malerei, als auch in der Tapentenherstellung über Jahrhunderte eine giftige Angelegenheit. Es gibt Spekulationen, denen zu Folge Napoleon Bonaparte an einer schleichenden Arsenvergiftung gestorben sei. Er hatte eine Vorliebe für grüne Tapeten und durch die feuchte Meerluft auf Sankt Helena soll sich besonders viel Arsen aus der Tapete gelöst haben und in seinen Körper gelangt sein. Ein sicherer, wissenschaftlicher Nachweis hierfür konnte jedoch nie erbracht werden. Hätten Sie es gewusst?

WEISS - ein Statussymbol.
Den Status eines Mannes an seinem Hemd ablesen? Bis vor einigen Jahren war das kein Problem. Die weißen Hemden waren denen vorbehalten, die bei der Arbeit nicht schmutzig wurden. Zu Zeiten als man Waschmaschinen und pflegeleichte Stoffe noch nicht kannte, war es Luxus weiß zu tragen. Und auch wenn bunte Hemden mittlerweile sogar für Bankangestellte gang und gäbe sind, gilt das weiße Hemd immer noch als das eleganteste Hemd. Und so ist es auch heute noch die erste Wahl für Männer in Spitzenpositionen. Nicht von ungefähr kommt deshalb wohl auch die Bezeichnung "Weiße-Kragen-Kriminalität". Sie steht für betrügerische Machenschaften in Wirtschaftskreisen, für "saubere" Verbrechen ohne Blutvergießen. Hätten Sie es gewusst?

ROT - eine der kräftigsten Farben 
Rot ist eine der kräftigsten und auffallendsten Farben. Die Komplementärfarbe zu Rot ist Grün, das heißt, die beiden Farben liegen sich im Farbkreis gegenüber. In Kombination wirken beide Farben besonders satt und leuchtend. In Ihrer Wirkung auf den Menschen sind sie ebenfalls sehr konträr. Im Gegensatz zu Rot, das kraftvoll, leidenschaftlich und dominant wirkt, ist Grün ruhig, natürlich und sorgt für Ausgeglichenheit. Hätten Sie es gewusst?

ORANGE - die Farbe der Lebensfreude
Es ist die Komplementärfarbe von kaltem, kühlen Blau, das für Stille und Nachdenklichkeit steht. Orange ist das Gegenteil, es ist die Farbe des Vergnügens, des Lustigen und der Geselligkeit. In Orange vereint sich die Fröhlichkeit und das sonnige von Gelb mit der der Wärme und dem Temperament von Rot. So ist Orange erhellend und erwärmend, die ideale Mischung, um Geist und Körper zu erfreuen. Hätten Sie es gewusst?
 
BLAU - die Farbe der Kälte
Blau ist nach der klassischen Farbenlehre die kälteste Farbe im Farbspektrum. Natürlich hängt es davon ab, was man für eine Blaunuance betrachtet, denn selbstverständlich gibt es wärmere und kühlere Blautöne. Aber grundsätzlich trifft diese Aussage zu. Dieses Farbempfinden ist sogar so stark, dass wir in blau gestalteten Räumen schneller frieren und die Temperatur niedriger schätzen als sie tatsächlich ist. So ist im Umgang mit Blau Vorsicht geboten. Es ist richtig, dass Blau Weite und Frische in einen Raum bringen kann, aber man sollte darauf achten, dass immer ein wärmender Gegenpol vorhanden ist, denn sonst wird das Zimmer schnell kalt und ungemütlich wirken. Hätten Sie es gewusst?
 
BRAUN- die ungeliebte Farbe
Seit einiger Zeit steht Braun in der Raumgestaltung wieder hoch im Kurs, in unzähligen Schattierungen. Sand, Schokolade, Cappuccino, Creme ... Für jeden Farbton findet sich eine angenehme Assoziation. Doch wenn man Umfragen Glauben schenken darf, mögen die Deutschen Braun gar nicht. Immerhin 27% nennen Braun als unbeliebteste Farbe. Trotz allem wird Braun wieder deutlich öfter in der Innenraumgestaltung verwendet als in den vergangenen Jahren, es hat sein altmodisches Image abgelegt und ist wieder salonfähig geworden. Durch die Kombination mit hellen und frischen Farben kann man so Wohnräume schaffen, die zum Verweilen und Entspannen einladen. Braun an sich ist zurückhaltend und bodenständig, es verbreitet eine erdige Wärme und schenkt Geborgenheit. Vielleicht sorgt gerade das für die wachsende Beliebtheit. Braun entreißt uns dem Alltag und schenkt der Seele Erholung. Hätten Sie es gewusst?
 
SILBER - die Farbe der guten Tugenden
Gold wirkt protzig und laut. Es drängt sich in den Mittelpunkt, verlangt nach Aufmerksamkeit. Silber hingegen ist sehr viel ruhiger und zurückhaltender. Man verbindet Silber mit Höflichkeit aber auch mit Zuverlässigkeit, Sicherheit und Genauigkeit. Mit seiner kühlen Ausstrahlung vermittelt es intellektuelle Zurückhaltung.
So wird Silber zum idealen Akzent für alle, die es elegant aber unaufdringlich mögen. Hätten Sie es gewusst?
 
GOLD- die Farbe der Lebensfreude
Gold war schon immer ein Zeichen für das Göttliche, Macht und Reichtum. Doch auch in früheren Jahrhunderten konnte es sich doch kaum einer leisten, seinen Palast oder seine Kirche mit Figuren und Wandverzierungen aus massivem Gold fertigen zu lassen. Meist wurden die Gegenstände "nur" mit Blattgold vergoldet. Blattgold wird aus echtem Gold hergestellt. Dieses wird geschmolzen, papierdünn gewalzt und in kleine Stücke geschnitten. Anschließend werden diese Stücke zwischen Pergament übereinander gelegt und in mühevoller Handarbeit geschlagen, geteilt und abermals geschlagen. So lange bis man Blättchen erhält, die nur noch ein zehntausendstel Millimeter dünn ist. (1000x dünner als Papier). Aus einem Gramm Gold entstehen so 3000 Quadratzentimeter Blattgold. Auch wenn der Materialwert also recht gering ist, steckt doch viel Können und noch mehr Arbeit in der Herstellung und Verarbeitung von Blattgold, so dass es trotzallem kein billiges Vergnügen war, seine Gemächer derart auszustatten. Hätten Sie es gewusst?
 

WEISS - die Trauerfarbe
Ja, Sie haben richtig gelesen. Bei uns kaum vorstellbar, aber im asiatischen Raum ist Weiß die allgemeine Trauerfarbe. Niemand würde auf die Idee kommen, im schwarzen Gewand zu einer Bestattung zu gehen. Dies kommt daher, dass der Tod nicht als die endgültige Finsternis, sondern auf Grund des Glaubens an die Reinkarnation, als weiterer Schritt zur Ewigkeit gesehen wird. Hätten Sie es gewusst?

ROSA - die Mädchenfarbe
Es ist nicht nur bei kleinen Prinzessinnen die Farbe schlechthin, auch bei älteren Mädchen und Frauen steht Rosa oft hoch im Kurs. Rosa steht für Süßes, Zartes und Romantisches. Einfach eine weibliche Farbe. Doch dem war nicht immer so. Erst seit ungefähr 90 Jahren tragen Mädchen Rosa und Jungen Blau. Davor war es - kaum vorstellbar -  genau andersherum. Rot, als Synonym für Macht und Stärke, war eine Männerfarbe, für die kleinen "Männer" gab es das kleine "Rot", Rosa. Blau war seit jeher die Marienfarbe, also steckte man Mädchen in hellblaue Kleidchen. Hätten Sie es gewusst?

Schwarz - die Farbe der Vernunft
Noch Anfang des letzten Jahrhunderts war es völlig normal, dass die Braut an ihrer Hochzeit ein schwarzes Kleid trug. Nach der Hochzeit konnte es ohne Probleme auch zu anderen Anlässen getragen werden. Ein Kleid, das man nur einmal trug, wäre unvorstellbare Verschwendung gewesen. Aber auch symbolisch war Schwarz wohl die geeignetere Farbe. Die Hochzeit war kein romantisches Spektakel, sondern ein ernstes Geschäft. Wo soviel Vernunft herrschte, war wohl auch ein vernünftiges Brautkleid angebracht. Hätten Sie es gewusst?

GELB - die Farbe mit zwei Gesichtern
Gerne verbinden wir Gelb mit Sonne und Sommer. Gelb ist leicht und fröhlich, es verbreitet gute Laune und Optimismus.
Ganz anders dagegen die geschichtlich geprägte Symbolik von Gelb. Seit jeher steht Gelb für die negativen Eigenschaften wie Geiz, Gier, Neid, Verrat und Verlogenheit. So wurde Gelb schon im Mittelalter zur Farbe der Geächteten. Judas wurde immer im gelben Gewand dargestellt, Kezer trugen bei Ihrer Hinrichtung ein gelbes Kreuz, Prostituierte mussten gelbe Kleidungsstücke tragen und Juden mussten sich schon im 12. Jahrhundert gelbe Hüte und gelbe Aufnäher an ihrer Kleidung tragen. Wer auch immer gelb trug, er tat es nicht freiwillig. Hätten Sie es gewusst?

TIEFSCHWARZ VERKEHRSROT RAPSGELB  - die "deutschen" Farben
Schwarz, Rot, Gold sind seit den Befreiungskriegen Anfang des 19. Jahrhunderts die Farben, die für die nationale Einheit und ein demokratisches Deutschland stehen. Die Farben der Uniformen des Lüzowschen Freikorps wurden zum Symbol einer ganzen Nation. Die Soldaten, meist Studenten, die als Freiwillige unter dem preußischen Major Adolf von Lützow 1813 gegen Napoleon in den Krieg zogen, kamen aus ganz Deutschland und trugen so sehr unterschiedliche Uniformen bzw. Zivilkleidungen. Um der Armee schnell und günstig ein einheitliches Aussehen zu verleihen, wurden einfach die unterschiedlichen Uniformen schwarz eingefärbt, mit roten Aufschlägen und goldenen/ messingfarbenen Knöpfen versehen. Diese Farbzusammenstellung lässt sich mit folgendem Ausspruch erklären:
>Aus der Schwärze der Knechtschaft durch blutige Schlachten ans goldne Licht der Freiheit<
Beim Hambacher Fest 1832 wurden, als Zeichen für das Streben nach Freiheit, Bürgerrechten und deutscher Einheit, erstmals schwarz-rot-goldene Fahnen geschwungen. Hätten Sie es gewusst?

VIOLETT - die Farbe der Macht
Heute denken wir bei Purpur an Rot. Bis ins 15. Jahrhundert war Purpur allerdings die Bezeichnung für Violett. Die kostbarste Farbe die es gab, nur den Kaisern vorbehalten. Die Gewinnung von Purpur war aufwändig und teuer. Aus dem Schleim der sogenannten Purpurschnecke, wurde das gelbliche Extrakt zum Färben gewonnen, erst durch die Einstrahlung von Sonnenlicht entwickelte sich dann aus den gelblichen Stoffen ein brillantes, tiefes Violett. Da der Farbstoff durch die Reaktion mit UV-Licht entstand, war dieser absolut lichtecht, ein Farbstoff für die Ewigkeit. Was war besser geeignet um die Macht des Kaisers zu repräsentieren? Hätten Sie es gewusst?

HIMMELBLAU - die Farbe der Weite
Mit Hilfe von Farben ist es uns möglich die Illusion von Perspektive und Raum zu schaffen. Je wärmer eine Farbe, desto näher scheint sie. Rot drängt sich in den Vordergrund, Blau tritt zurück. Diese Wirkung basiert auf der Erfahrung, dass in der Natur Farben mit zunehmender Entfernung immer bläulicher werden. Je mehr Luftschichten uns von einem Gegenstand trennen, desto kühler, trüber und bläulicher wirkt er. Durch die Abstufungen von sattem bis zu blassem Blau entsteht auch die unfassbare Weite und Tiefe des Himmels. Dieses Phänomen, genannt Luftperspektive, wird von Malern seit der Renaissance als wichtiges Stilmittel gebraucht, um Bildern perspektivische Wirkung zu geben. Hätten Sie es gewusst?